Die "Empfindungs-Methode" nach Dr. Rajan Sankaran

rajan-sankaran_1

Wo kommen wir her, wer sind wir und wo gehen wir hin?

Das sind die ewigen Fragen des Menschen. Die von Rajan Sankaran entwickelte Erweiterung der klassischen Homöopathie versucht darauf einige zusätzliche Antworten zu geben.

In der Homöopathie ging es schon immer um das ganz individuelle Erleben des Patienten als Subjekt

Warum erlebt jeder Mensch Dinge (wie z.B. auch Krankheitsbeschwerden) auf eine ganz eigene, manchmal eigenartige Weise? 

Warum nehmen wir so unterschiedlich wahr und handeln so unterschiedlich?

Wo kommt der Streß in unserem Leben wirklich her?

Mit diesen Fragen hat sich der indische Arzt Dr. Rajan Sankaran aus Mumbai (Bombay) die letzten dreißig Jahre in seiner homöopathischen Praxis beschäftigt.

Er fand heraus, dass Stress nicht nur durch die äußeren Gegebenheiten entsteht, sondern überwiegend durch die subjektive Wahrnehmung dieser Gegebenheiten. In der Tiefe unseres Erlebens und unserer Erfahrung sind wir nicht von unserer Realitätswahrnehmung, sondern von einer sehr unbewussten Kernempfindung bestimmt.

Das Besondere an dieser Empfindung, die von Sankaran auch "Vital-Empfindung" genannt wird, liegt darin, dass sie aus sehr urtümlichen Bereichen des menschlichen Wesens stammt. Wenn in der Psychologie das Unbewusste untersucht wird, handelt es sich typischerweise um menschliche Kategorien, welche sich als Träume, unbewußte Wünsche, Verletzungen oder Triebe zeigen können. Es geht dabei meist um menschliche Situationen als Traumata der Vergangenheit oder um Befürchtungen, welche auf zukünftige Situationen projiziert werden.

Die Vital-Empfindung eines jeden Menschen liegt jedoch auf einer weit tieferen Ebene und ist sehr primitiv (heißt übersetzt: ursprünglich), fast biologisch verwurzelt. Sie hat eine globale Qualität was heißt, dass sie mit fast allen Wahrnehmungen und Handlungen sowie den Krankheiten und Krankheitssymptomen verwoben ist. Hier geht es um Empfindungen wie z.B. Schwere, Leichtigkeit, Fluß, Stau, Expansion, Krampf, Enge, Unbeweglichkeit, Schweben, Brennen, Stechen, Verletzung u.v.a.

Diese Empfindungen werden oft durch Körpersprache z.B. Gesten illustriert, ohne, dass sich der Patient dessen bewusst ist. Die Körpersprache hat in dieser Methode eine zentrale Bedeutung, weshalb rein telefonische Beratungen (Ausnahme Bildtelefon/Skype) kaum weiter helfen.

Ist die Vital-Empfindung ermittelt, kann oft zunächst eingrenzend auf das Naturreich des heilenden homöopathischen Naturmittels geschlossen werden. Je spezifischer der Patient seine unmittelbaren Wahrnehmungen und sein Erleben möglichst unreflektiert und "gedankenlos" äußern kann - er also wie ein Kind, sein Wesen einfach lebt und ausdrückt - desto leichter fällt es dem Homöopathen, das exakte Mittel zu finden.

In der Psychologie wird manchmal von dem "inneren Kind" gesprochen, zu dem wir mehr oder weniger Kontakt haben können. In der Empfindungs-Methode geht es eine Schicht tiefer. Wir kennen also auf einer tieferen Ebene eine ganz individuelle und spezifische Erlebensweise unserer inneren Natur

So kann z.B. der Knieschmerz, welcher mit einer Schwellung einhergeht "sich prall und gespannt" anfühlen. Die Empfindung kann an die eines stramm aufgepumpten Balles, der jedereit platzen kann erinnern. Der mit dem Schmerz verbundene Ärger könnte dann als "Wut, wie zum platzen" empfunden werden. Er berichtet vielleicht noch von in größeren Abständen sich wiederholenden Träume von einem Krieg mit Bombenexplosionen. Wenn er dann noch angefangen beim Knie bis zum Traum von Explosionen immer eine bestimmte Geste macht, bei er z.B. illustriert, dass sich plötzlich etwas ausdehnt, dann ist man dem Grundmuster schon sehr nahe gekommen.

Dieses jenseits der Psychologie unerklärliche archaische Grundmuster, welches uns ständig begleitet, unsere Persönlichkeit formt, unsere Lebensmuster bestimmt, ist der tiefere Grund für unseren ganz individuellen Stress.

Zitat aus dem Buch "Das andere Lied" von Rajan Sankaran

05460.jpg

"Stress kommt nicht von außen, sondern entsteht durch unsere Reaktion auf die äußere Realität. Und wir erleben die Realität sehr unterschiedlich, jeder auf seine ganz eigene Art. Wenn wir unsere Stress-Erfahrung bis in die Tiefe ausloten, durchqueren wir mehrere Erfahrungsebenen, bis wir schließlich auf ein Grundmuster stoßen, das unabhängig von den wechselnden Umständen und Situationen des Lebens unsere gesamte Erfahrung prägt.

Dieses Muster zeigt sich als eine durchgängige Grundempfindung, die ebenso körperlicher wie geistig-seelischer Natur ist und darüber hinaus einen deutlichen Bezug zu einem der drei Naturreiche - Pflanzenreich, Tierreich oder Mineralreich - aufweist. Das bedeutet, dass neben unserem menschlichen Lied noch ein anderes in jedem von uns klingt. Und dieses andere Lied färbt und gestaltet unsere Gefühle, Träume und ehrgeizigen Vorhaben, unsere Arbeit, unsere Beziehungen und sogar unsere Lebensumstände. Wo es zu einer fixierten Grundhaltung geworden ist, kann es sich zuletzt auch als klinisch erfassbare Krankheit niederschlagen und bestimmt dann sogar, wie wir unser Kranksein erleben."

Gemeinsam mit seinem homöopathischen Therapeuten geht der Patient auf eine Entdeckungsreise in die Welt seiner tieferen Erfahrung. Auf diesem Weg geht er über die seine Symptome, äußere Geschichte, über Situationen, über den körperlichen Schmerz und Gefühle bis in seine tiefen Empfindungen hinein. 

Es ist als ob der Patient mit seinem "Feld" zu einem Archaeologen geht und mit ihm zusammen eine Ausgrabung vornimmt. Zunächst zeigt der Patient, dem Homöopathen die merkwürdigen Strukturen (z.B.geometrische Linien oder ungewöhnliche Erhebungen) auf seinem "Feld". Er teilt alle Phänomene mit, welche er im Zusammenhang mit seinen Beschwerden beobachtet hat. Der Homöopath hört zunächst genau zu und greift nach Möglichkeit nicht ein, bis das "Feld" vollständig mit seinen Eigenheiten beschrieben wurde. Der Homöopath wird dann einige der Hinweise und Symptome vertiefen. D.h. er wird offene Fragen zu bestimmten Erlebensbereichen stellen, wodurch Homöopath und Patient in die Phase der Ausgrabung eintreten. Der Patient hat dabei hauptsächlich die Rolle,  weitere Puzzlestücke zu liefern. Er wird angehalten, seine unmittelbaren Empfindungen nicht zu reflektieren d.h. analysieren. Der Kopf soll möglichst ausgeschaltet werden und das Bauchgefühl angeschaltet werden. Er ist der "Sachenfinder" auf seinem Feld. Da kann und darf der Homöopath nicht eingreifen. Dieser wird im weiteren Verlauf jedoch den Patienten bei diesem ungewohnten Prozess unterstützen und ihn anhalten, alles aus der "merkwürdigen" Tiefe seiner Existenz hervor zu holen und zu zeigen. Die Puzzleteile dürfen dabei völlig ungeordnet auf den "Tisch" gelegt werden. 

Aus der Distanz des unvoreingenommen Beobachters wird nun der Homöopath versuchen, aus der Gesamtheit der Puzzleteile ein Ganzes zu machen. Wie in der Archaeologie, erzählt jedes Fundstück eine Geschichte und wartet darauf, mit den anderen Stücken zu einem deutlicher werdenen Grundmuster zusammengesetzt zu werden. Ab einem bestimmten Zeitpunkt wiederholen sich die Fundstücke und helfen, das einmal gefundene Grundmuster zu bestätigen.

Bei dieser Methode wird deshalb auf alle Details genau geachtet. Das kann eine bestimmte Wortwahl sein. Das kann  eine bestimmte Geste oder ein Geräusch sein. Das kann ein bestimmtes spontan auftretendes Bild sein. Manchmal werden beiläufige typische Kritzeleien mit einbezogen. 

So wird nach und nach dieses "andere Lied", von dem unser Stress, unser Unwohlsein ausgeht, und das so gut wie alles in unserem Leben bestimmt oder mitbestimmt, immer deutlicher hörbar.

Dann fällt es leicht, dieses mit dem "Lied" eines  dazu passenden homöopathischen Mittels abzugleichen und abzubilden. 

Das wie Schlüssel zum Schloss passende homöopathische Mittel wird dann eine kraftvolle Resonanz erzeugen, welche in der Lage ist, heilsame Prozesse an zu stoßen d.h. die Selbstheilungskräfte zu aktivieren. 

Die dann erkennbaren (Erst-)Reaktionen und heilsamen Prozesse zeigen an, dass sich etwas wesentliches verändert hat. Tiefe Muster sind meist tief verwurzelt. Die Veränderung eines tiefen Musters braucht Zeit. Die klassische Homöopathie verlangt manchmal etwas Geduld. Diese aufzubringen lohnt sich jedoch, weil erst mit einem tief und ganzheitlich passenden Mittel, die Aussicht auf eine wirklich nachhaltige Verbesserung und Befreiung von den eingefahrenen Symptomen und Mustern gewährleistet ist. 

Die aus der Natur stammenden homöopathischen Mittel haben eine wunderbare Kraft, mit unserer verzerrten inneren Natur heilsam kommunizieren zu können.

Andreas Holling - Arzt für Allgemeinmedizin - Homöopathie / Maximilianstr. 15a / 48147 Münster / Tel. 0251 68663433